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[Märchen] Die Prinzessin auf der Erbse (01.03.2010)

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Die Prinzessin auf der Erbse

Es war einmal ein Prinz, der wollte eine Prinzessin heiraten. Aber das sollte eine wirkliche Prinzessin sein. Da reiste er in der ganzen Welt herum, um eine solche zu finden, aber überall fehlte etwas.
Prinzessinnen gab es genug, aber ob es wirkliche Prinzessinnen waren, konnte er nie herausfinden.
Immer war da etwas, was nicht ganz in Ordnung war.
Da kam er wieder nach Hause und war ganz traurig, denn er wollte doch gern eine wirkliche Prinzessin haben.

Eines Abends zog ein furchtbares Wetter auf; es blitzte und donnerte, der Regen stürzte herab, und es war ganz entsetzlich. Da klopfte es an das Stadttor, und der alte König ging hin, um aufzumachen.
Es war eine Prinzessin, die draußen vor dem Tor stand.
Aber wie sah sie vom Regen und dem bösen Wetter aus! Das Wasser lief ihr von den Haaren und Kleidern herab, lief in die Schnäbel der Schuhe hinein und zum Absatz wieder hinaus. Sie sagte, daß sie eine wirkliche Prinzessin wäre.

,Ja, das werden wir schon erfahren!' dachte die alte Königin, aber sie sagte nichts, ging in die Schlafkammer hinein, nahm alles Bettzeug ab und legte eine Erbse auf den Boden der Bettstelle. Dann nahm sie zwanzig Matratzen, legte sie auf die Erbse und dann noch zwanzig Eiderdaunendecken oben auf die Matratzen.
Hier sollte nun die Prinzessin die ganze Nacht über liegen.
Am Morgen wurde sie gefragt, wie sie geschlafen hätte.

»Oh, entsetzlich schlecht!« sagte die Prinzessin. »Ich habe fast die ganze Nacht kein Auge geschlossen! Gott weiß, was in meinem Bett gewesen ist. Ich habe auf etwas Hartem gelegen, so daß ich am ganzen Körper ganz braun und blau bin! Es ist ganz entsetzlich!«

Daran konnte man sehen, daß sie eine wirkliche Prinzessin war, da sie durch die zwanzig Matratzen und die zwanzig Eiderdaunendecken die Erbse gespürt hatte. So feinfühlig konnte niemand sein außer einer echten Prinzessin.
Da nahm sie der Prinz zur Frau, denn nun wußte er, daß er eine wirkliche Prinzessin gefunden hatte. Und die Erbse kam auf die Kunstkammer, wo sie noch zu sehen ist, wenn sie niemand gestohlen hat.
Seht, das war eine wirkliche Geschichte!
Hans Christan Andersen

Kurzanalyse

Das ist ja unglaublich. Eine Prinzessin steht im strömenden Regen vor dem Stadttor und das Wasser läuft ihr aus den Schuhen.
Auch wenn sie selber sagt, dass sie eine wirkliche Prinzessin sei, da ist doch Skepsis angesagt.
Die alte Königin weiß da ein Hausmittel und siehe da, die nasse Prinzessin ist tatsächlich eine und schon hat das Suchen ein Ende.
Eine Menge Menschen sind heute auf der Suche nach Glück, oder nach der einzigartigen Qualität.
Eine alte Königin mit ihrem Hausmittel hat kaum einer daheim.

Aber, erst einmal eine Nacht schlafen, bevor eine Entscheidung getroffen wird, das ist bestimmt keine schlechte Idee.


über den Artikel

Dieser Artikel wurde am 01.03.2010 um 09:03 Uhr von Amos Ruwwe erstellt. Er wurde bis jetzt 278 mal aufgerufen und besteht insgesamt aus 551 Wörtern.

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