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[Märchen] Die Kornähre (04.11.2009)

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Die Kornähre

Vorzeiten, als Gott noch selbst auf Erden wandelte, da war die Fruchtbarkeit des Bodens viel größer als sie jetzt ist: damals trugen die Ähren nicht fünfzig- oder sechzigfältig, sondern vier- bis fünfhundertfältig. Da wuchsen die Körner am Halm von unten bis oben hinauf: so lang er war, so lang war auch die Ähre.
Aber wie die Menschen sind, im Überfluss achten sie des Segens nicht mehr, der von Gott kommt, werden gleichgültig und leichtsinnig.
Eines Tages ging eine Frau an einem Kornfeld vorbei, und ihr kleines Kind, das neben ihr sprang, fiel in eine Pfütze und beschmutzte sein Kleidchen. Da riss die Mutter eine Handvoll der schönen Ähren ab und reinigte ihm damit das Kleid.
Als der Herr, der eben vorüber kam, das sah, zürnte er und sprach 'fortan soll der Kornhalm keine Ähre mehr tragen: die Menschen sind der himmlischen Gabe nicht länger wert.'
Die Umstehenden, die das hörten, erschraken, fielen auf die Knie und flehten, dass er noch etwas möchte an dem Halm stehen lassen: wenn sie selbst es auch nicht verdienten, doch der unschuldigen Hühner wegen, die sonst verhungern müssten.
Der Herr, der ihr Elend voraussah, erbarmte sich und gewährte die Bitte. Also blieb noch oben die Ähre übrig, wie sie jetzt wächst.
Grimm KHM 194

Kurzanalyse

Aber wie die Menschen sind, im Überfluss achten sie des Segens nicht mehr, der von Gott kommt, werden gleichgültig und leichtsinnig.
Die Mutter reinigt doch nur das verschmutzte Kleid und schon ist es passiert. Das Selbstverständliche, nämlich geschwind das Kleid reinigen mit dem was zu greifen ist. Das kann verhängnisvolle Wirkungen haben. Das gilt auch heute noch. Allemal ist es gut, ab und zu die Selbstverständlichkeit des täglichen Lebens, sich dankbar anzuschauen.




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Dieser Artikel wurde am 04.11.2009 um 09:11 Uhr von Amos Ruwwe erstellt. Er wurde bis jetzt 343 mal aufgerufen und besteht insgesamt aus 366 Wörtern.

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