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[Märchen] Schmetterlinge (01.07.2009)
Schmetterlinge
Indianermärchen
Eines Tages legte der Schöpfer eine Ruhepause ein.
Er saß da und sah einigen Kindern in einem Dorf beim Spielen zu. Die Kleinen lachten und sangen. Doch während der Schöpfer ihnen zuschaut, war sein Herz voller Trauer.
Er dachte: „Diese Kinder werden einmal alt. Ihre Haut wird runzelig, ihr Haar grau. Ihre Zähne werden ausfallen. Der Arm des jungen Jägers wird erlahmen. Diese liebreizenden, jungen Mädchen werden hässlich und fett. Die verspielten Welpen werden zu blinden, räudigen Hunden. Und diese wunderschönen Blumen- gelb und blau, rot und purpurn- werden verblassen. Die Blätter werden von den Bäumen fallen und verdorren. Sie werden bereits gelb.“
So wurde der Schöpfer immer trauriger. Es war Herbst, und der Gedanke an den bevorstehenden Winter ohne Wild und ohne grüne Wiesen machten sein Herz schwer.
Aber es war noch warm, und die Sonne schien. Der Schöpfer beobachtete das Spiel von Licht und Schatten auf dem Boden und den Wind, der die gelben Blätter bald hierhin, bald dorthin wehte. Er sah die Bläue des Himmels und das Weiß des Maismehls, das von den Frauen gemahlen wurde.
Auf einmal lächelte er. „Alle diese Farben sollten erhalten werden,“ dachte er. „Ich werde etwas erschaffen, um mein Herz zu erfreuen, etwas , dessen Anblick den Kindern Vergnügen bereitet.“
Der Schöpfer holte seine Tasche hervor und begann alles mögliche zu sammeln:
einen Tupfen Sonnensschein
eine Handvoll blau vom Himmel
Das Weiß des Maismehls
Den Schatten der spielenden Kinder
Das Schwarz vom Haar eines schönen Mädchens
Das Gelb der fallenden Blätter
Das Grün der Kiefernnadeln
Das Rot, das Purpur und das Orange der Blumen um, ihn herum. All das steckte er in seine Tasche. Dann hatte er noch einen Einfall und tat auch die Lieder der Vögel mit in die Tasche.
Anschließend ging er hinüber zur Wiese, wo die Kinder spielten
„Kinder, kleine Kinder, das ist für euch.“
Und er gab ihnen die Tasche. „Öffnet sie, da ist etwas Hübsches drin,“
sagte er zu ihnen. Die Kinder öffneten die Tasche,
und sogleich schwärmten Hunderte und Aberhunderte
von bunten Schmetterlingen daraus hervor und tanzten um die Köpfe der Kinder, setzten sich auf ihr Haar und flatterten wieder auf, um an dieser oder jener Blume zu nippen. Die Kinder waren entzückt und sagten, dass sie noch nie so etwas Schönes gesehen hätten.
Die Schmetterlinge begannen zu singen und die Kinder hörten lächelnd zu.
Doch da kam ein Singvogel angeflogen, ließ sich auf des Schöpfers Schulter nieder und schalt ihn: „Es ist nicht recht, diesen neuen, hübschen Dingern unsere Lieder zu geben. Als du uns geschaffen hast, sagtest du uns, dass jeder Vogel seinen eigenen Gesang haben würde, und nun hast du sie überall weiter gegeben. Ist es nicht genug, das du deinen neuen Spielsachen die Farbe des Regenbogens gegeben hast?“
„Du hast recht“, sagte der Schöpfer, „ich habe für jeden Vogel ein Lied gemacht, und ich sollte nicht nehmen, was euch gehört.“
So nahm der Schöpfer den Schmetterlingen die Lieder wieder weg, und darum sind sie bis heute stumm.
„Sie sind auch so schön,“ meinte der Schöpfer und beließ es so.
Kurzanalyse
Der Singvogel beschwert sich.
Der Schöpfer hat die Abmachung mit den Singvögeln nicht eingehalten. Macht ja nix. Schnell wurde das korrigiert und das Ergebnis ist auch schön.
Versprechen einhalten, Regeln befolgen, das wird schon mal vergessen oder einfach missachtet.
Konflikte sind oft die Folge.
Im schlechtesten Fall enden diese Konflikte in Streitigkeiten bis hin zu Kriegen. Im besten Fall, findet sicheine Lösung, die für alle ein Gewinn ist.
Jeder jetzt herumfliegende Schmetterling zeigt uns, wie wunderbar eine Konfliktlösung sein kann.





