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[Märchen] Der Elefant bekommt Manieren beigebracht (01.04.2009)
Einmal begegnete ein Elefant auf dem Weg zum Fluss einem Eichhörnchen. Der stolze und königliche Elefant schubste das Eichhörnchen mit seinem Rüssel vom Weg und sagte: „ Aus dem Weg, du unwichtiges, kleines Ding!“
Das Eichhörnchen war beleidigt. Es hatte doch das gleiche Recht wie ein Elefant. Es stampfte mit seinen kleinen Füssen wütend auf den Boden und entschied sich dem Elefanten Manieren beizubringen.
„Ho!“ rief das Eichhörnchen entrüstet, „ du bist ziemlich groß und auch ziemlich stolz und denkst wohl du bist das größte Tier auf der Welt, das ist aber falsch.“
Der Elefant schaute etwas überrascht auf das kleine Eichhörnchen herunter.
„Ich bin der Größte, du kleines Eichhörnchen und jeder weiß das“, donnerte er hinunter.
„Da will ich dir mal etwas erzählen,“ sagte das Eichhörnchen ärgerlich und wedelte mit seinem Schwanz . „Ich bin vielleicht klein, aber ich kann zehnmal soviel essen als du. Ich fordere dich zu einem Wettkampf heraus- und ich wette mit dir, das ich, das kleine Eichhörnchen mehr Palmnüsse essen kann und das auch noch viel länger als du stolzer und großer Elefant!“
Der Elefant lachte donnernd. Er fand das so lächerlich, dass er die Herausforderung von diesem kleinen Tier annahm. Beide sammelten nun einen riesigen Berg von Nüssen zusammen und sie verabredeten sich für den nächsten Morgen, bei Tagesbeginn.
Der Elefant konnte es kaum erwarten. Er verzichtete sogar auf seine Abendessen, damit er morgen noch mehr als sonst essen könnte. Er glaubte, das Eichhörnchen ein für alle Male zu beweisen, das er der Größte auf der Welt ist.
Wie so oft in Afrika, begann der Morgen, sonnig und warm und beide begannen zu essen. Der Elefant mit gutem Appetit, aß eine Nuss nach der Anderen. Das Eichhörnchen knabberte schnell und war bald zum platzen voller Nüsse. Leise schlich es fort und seine Cousine, die schon versteckt nahe gewartet hatte, nahm seinen Platz ein. Der Elefant war so mit seinem fressen beschäftigt, das er nichts merkte. Brüder, Schwestern, Onkel, Tanten und andere hungrige Eichhörnchen wechselten unbemerkt die Plätze. So um die Mittagszeit schaute der Elefant auf das Eichhörnchen und fragte: „ Hast du nun genug?“ und war überrascht, das das Eichhörnchen noch immer fleißig eine Nuss nach der Anderen aufknabberte. Der Berg Nüsse, der für das Eichhörnchen bestimmt war, war schon viel weniger geworden, als der Berg Nüsse, die der Elefant fressen sollte.
„Noch nicht“ antwortete das Eichhörnchen mit vollem Mund, „ und was ist mit dir?“
„Niemals“ antwortete der Elefant verächtlich und begann ein wenig schneller zu essen. Die Sonne ging schon fast unter und der Elefant war schon so vollgefressen, das er kaum noch stehen konnte. Er schaute zum Eichhörnchen hinüber. Jetzt war das Eichhörnchen da, mit dem er gewettet hatte. Es hatte den ganzen Tag im Schatten gelegen und ein Schläfchen gehalten. Seine Verwandten hatten derweil einen ganzen Berg Nüsse zerknabbert. Nun saß es da und knabberte mit Appetit weiter eine Nuss nach der Anderen. Als der Elefant das Eichhörnchen so essen sah, stöhnte er leise.
„Das ist wirklich erstaunlich, Eichhörnchen,“ sagte er schließlich, „ich kann nicht mehr und ich muss wohl eingestehen, das du die Wette gewonnen hast.“ Dann hob er seinen Rüssel und blies ein lautes Salut.
Das Eichhörnchen sprang erfreut herum, dankte dem Elefanten für seinen Salut und ermahnte ihn zukünftig nicht mehr so stolz zu sein.
Der Elefant ist immer noch ein großes Tier, aber seither ist er nicht mehr arrogant und achtet die anderen kleineren Tiere. Besonders das Eichhörnchen.
Volksmärchen der Shona (Südafrika) bearbeitet und übersetzt Amos Ruwwe 2009
Kurzanalyse
Groß und stark ist der Elefant und bildet sich ein er sei der Größte. Nimmt sich ungehörige Rechte heraus gegenüber Kleineren und bekommt eine Lektion erteilt.
Das Eichhörnchen ist klein und dem Elefant an Stärke klar unterlegen. Gewitzt gewinnt es schließlich doch den Wettkampf mit dem mächtigen Elefanten.
Was vermeintliche Macht anrichten kann, erfahren wir zurzeit an der weltweiten Finanzsituation. Die kleineren, schwächern wirtschaftlichen Länder und deren Bewohner, spüren die veränderte Finanzsituation zuerst und sehr direkt. Langsam bilden sich Allianzen, um zukünftig den Großen in der Finanzwelt Manieren beizubringen. Wir werden sehen, ob die Großen in der Wirtschaftswelt so einsichtig sind wie zuletzt der Elefant.
Filmtipp zu diesem Thema:








