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[Märchen] Das Nikolausgeschenk (01.12.2008)
Es war einmal eine reiche Bäuerin, die war schon mit jungen Jahren Witwe geworden. Zuerst wollte sie nichts davon wissen, wieder zu heiraten, denn sie befürchtete, daß die Heiratskandidaten eher von ihrem Geld und dem Bauernhof als von ihren hübschen, blauen Augen angelockt würden.
Sie betreute den Hof alleine mit einem Knecht, einem ruhigen, aber zuverlässigen jungen Mann, der nur ein paar Jahre jünger war als sie. Sie mochte ihn sehr gerne, konnte übrigens auch schwer ohne ihn auskommen, und es kam soweit, daß sie ihn eigentlich wohl zu heiraten wünschte. Aber wie sollte sie ihm das deutlich machen?
Sie als Frau konnte ihn schwerlich selbst fragen, und er ließ sich nichts anmerken. Nicht, daß er nicht wollte, aber daß ein Knecht sein Glück bei einer Bäuerin versuchte, daß kam damals in dieser Gegend überhaupt nicht vor. Sogar in den kühnsten Träumen würden ihm nie solche Gedanken gekommen sein.
Und so geschah nichts. Dann kam der Dezember. Ein bisschen schelmisch sagte die Bäuerin dem Knecht, er solle doch wie früher die Holzschuhe mal an den Kamin stellen. Es könnte ja sein, da? Sankt Nikolaus heuer noch etwas für ihn im Sack habe.
Der Knecht hielt nichts davon. Alles nur Blödsinn. Aber sie redete solange auf ihn ein, daß er schließlich nachgab. Die Bäuerin war die Herrin, nicht wahr?
So kamen die Holzschuhe vor den Kamin. Als er am nächsten Morgen für eine Tasse Tee in die Küche kam, hatte er das alles schon wieder vergessen – bis er seine Bäuerin sah. Die stand mehr verlegen, mit einem knallroten Kopf barfuß in seinen Holzschuhen, die ihr eigentlich viel zu groß waren. Sie brauchte jedoch nichts zu sagen. Er verstand den Wink und acht Wochen später wurde er der Bauer.
Aus dem Niederländischen überliefert
Kurzanalyse
Alles Blödsinn, denkt sich der Knecht. Die Bäuerin war die Herrin, nicht wahr! Dieses kurze Schwankmärchen spiegelt die Realität, zeigt Herzenswünsche und unverhofft landen wir beim Kirchenfest Sankt Nikolaus.
Gefühle und Tradition und der gewisse Witz mit diesen beiden schwierigen Elementen umzugehen, zeigt eine schöne Möglichkeit, wie auch heute, in der materialistisch denkenden Welt, Herzenswünsche erreicht werden können. Ein bisschen um die Ecke denken, bringt oft verblüffende Erfolge. Eine kreative Winterzeit wünsche ich allen.





