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[Märchen] Der Lohn der Welt (01.01.2009)
Eines Tages ging ein Bauer mit der Hacke über der Schulter an einem Bach entlang.
In dem Bach lag eine Schlange und auf der Schlange lag ein Stein. Die Schlange sagte zu dem Bauern: „Nimm den Stein von mir, und dann gebe ich dir dafür den Lohn der Welt.“
Den Lohn der Welt, dachte der Bauer, das ist sicher etwas ganz besonderes. Er nahm den Stein von der Schlange, die Schlange war gerettet. „Nun sollst du auch den Lohn der Welt erhalten“, sagte die Schlange. Sie rollte sich um den Körper des Bauern und wollte ihn ersticken. Aber damit war der Bauer ganz und gar nicht einverstanden. „Ist das der Lohn der Welt?“ fragte er. „Ja“, antwortete die Schlange. „Das kann ich nicht glauben“, war die Antwort des Bauern.
Da gingen sie beiden zum Hund. Der sollte ihren Streit schlichten; als sie bei ihm angekommen waren, fragte der Bauer: „Welches ist der Lohn der Welt?“ „Ach“, sagte der Hund, „als ich jung war, da bekam, ich gute Sachen zu fressen, man war immer gut zu mir. Jetzt bin ich alt, und man prügelt mich fast zu Tode. Sieh! Das ist der Lohn der Welt.“
Aber der Bauer war immer noch nicht zufrieden. Da gingen sie zum Pferd: „Als ich jung war, gab man mir nur gutes Futter und führte mich auf saftige Weiden. Jetzt bin ich alt, und man will mich schlachten, Sieh, das ist der Lohn der Welt.“ Aber der Bauer war immer noch nicht zufrieden. Sie gingen nun zum Fuchs, und der Bauer fragte: „ Sage mir, welches ist der Lohn der Welt?“ „Ich verstehe nicht was du meinst“, entgegnete der Fuchs. Die Schlange sagte: „Ich lag im Wasser, und auf mir lag ein schwerer Stein; ich bat den Bauern, den Stein von mir zu nehmen, dann würde ich ihm den Lohn der Welt geben.“ „Ich verstehe eure Frage noch immer nicht“, sagte der Fuchs. Da erzählte die Schlange alles noch einmal. „Mir wird die Sache nicht klarer. Zeigt mir doch einmal, wie es war.“ Da legte die Schlange sich wieder ins Wasser, und der Bauer legte wieder den Stein auf die Schlange. „So ist es gut“, sagte der Fuchs. „Lassen wir die Schlange im Wasser liegen.“ Der Bauer war froh, und voller Dankbarkeit nahm er den Fuchs mit auf seinem Hof. Obwohl der Fuchs nur das allerbeste Fressen bekam, konnte er das Räubern nicht lassen. Bald hatte der Bauer kein Huhn mehr im Stall. Da nahm der Bauer einen dicken Stock und schlug den Fuchs tot. Der aber sagte vor seinem Ende noch: „Sieh da! Nun bekomme ich den Lohn der Welt!“
Aus dem Niederländischen überliefert
Kurzanalyse
Auf die Frage: „Was ist der Lohn der Welt?“ bekommt der Bauer unterschiedliche Antworten. Jeder Gefragte schilderte seine missliche Lage und schloss daraus, das ist der Lohn der Welt. Unzufriedenheit, Ungerechtigkeit, alles andere als Glück und Frieden, bekommt der Bauer zu hören. Sogar der schlaue Fuchs endet nach einer angenehmen Zeit, tödlich.
Der Lohn der Welt, so scheint es, ist sehr subjektiv. Ihnen wünsche ich, dass Ihr Lohn der Welt freundlich, kreativ und positiv ist.





